19. Oktober 2002 W.A. Mozart: Die Zauberflöte Alles sympathisch - Wärme und Kälte, Iglus und Druiden. Cesare Lievi inszeniert
Auch musikalisch kann der Abend nicht überzeugen. Wolfgang Ott wählt recht einförmige, uninteressante Tempi. Der Ouvertüre bereits fehlt Esprit, der Priesterwelt Würde und Pa-thos. Das Orchester spielt erstaunlich unsauber. Cornelia Götz ist die in den Spitzentönen sichere Königin der Nacht, Annette Luig eine stimmlich kühle Pamina. Guido Jentjens’ Jugendlichkeit wird nicht genutzt, um den Satrastro einmal aus seiner altväterlichen Betulichkeit zu losen. Pech für die Aufführung, daß Christoph Gentz den Tamino aus dem Or-chestergraben singen muß, weil auf der Bühne Andreas Scheidegger indispositionshalber nur markieren kann. Vorzüglich immerhin die drei Knaben des Mainzer Domchores. Das Publikum teilte die spürbaren Distanz aller Beteiligten zum Stück und reagierte verschnupft und zögerlich. Andreas Bomba http://www.andreasbomba.de |
Auch musikalisch ist die Wiesbadener, von Wolfgang Ott geleitete „Zauberflöte" auf der sicheren Seite: Fulminant wie bei Händel klingen die Chöre; auch optisch prachtvoll herausgeputzt sind die „drei Damen", die vom Mainzer Domkapellmeister Mathias Breitschaft einstudierten Domsingknaben („Drei Knaben") leisten Beachtliches. Erfreulich auch die angenehm homogene Solistengruppe: Annette Luig ist eine „klassische", herzallerliebste Pamina mit wunderschön wallendem blondem Haar und schönem Sopran; Thomas de Vries ist als Papageno der glaubhafte, witzige Inbegriff des lebensfrohen Naturburschen. Guido Jentjens, ein überaus imposanter „Eisheiliger", singt den Sarastro mit profundem, volltönigem Bass; und Cornelia Götz, furiose, blutrot gewandete Königin der Nacht, ihre Höllenarie dynamisch sehr zurückgenommen, aber bravourös und mit präzisen Intervallen. |
Verdienter Publikumsliebling war der Wiesbadener Neuzugang Thomas de Vries als pubertär-trotziger Papageno, dem Thora Einarsdottir als Papagena eine ebenbürtige Partnerin war. |